Wacken säuft mal wieder ab. Dadurch, dass es einige Tage vorher wohl ordentlich geschüttet hat, ist der Boden mal wieder aufgeweicht wie ein Schwamm, so dass die Schlammschlacht wieder vorprogrammiert ist. Das war schon Tage vorher bei den Webcam-Bildern vom Aufbau im Festival-Bereich zu sehen. Noch gestern früh gegen halb neun schrieb WackenKai auf der Homepage:
Liebe Metalheads,
die Anreise startet jetzt und die Sonne scheint dazu….
die Flächen trocknen gut ab und alles ist gut.
Irgendwie kam man sich da ja schon verarscht vor, denn wer die Bodenverhältnisse auf dem Acker von Wacken kennt, der weiß, dass knapp unter dem Gras noch jede Menge Wasser schlummert, das durch ein bisschen Sonne sicher nicht wegtrocknet, sondern durch den Anreiseverkehr eher den Boden zu einer einzigen Matschfläche machen wird. So kam es dann auch. Knapp drei Stunden später schreibt WackenKai dann:
Liebe Metalheads,
aufgrund der dramatisch schlechten Wettersituation bis Dienstagvormittag und der daraus resultierenden schlechten Bodenbeschaffenheit geben wir folgendes bekannt:
Wir müssen in diesem Jahr leider aufgrund höherer Gewalt strikt trennen zwischen Parken und Campen, da einige Wiesen mit dem Auto definitiv nicht befahrbar sind und wir die Ordnung und Sicherheit gewährleisten müssen.
Die Ordner werden Euch den Weg zur Camping Area weisen.
Wohnwagen, Camper, VW-Busse und die die in ihrem Auto schlafen wollen, bleiben natürlich an ihrem Fahrzeug.
Des weiteren müssen wir ein komplettes Fahrverbot auf dem gesamten Park-und Campinggelände aussprechen.
Öhm, wie war das noch gleich mit “Campen am Auto”? Klasse, macht sicher Spass, kistenweise Bier und Campingkram quer über den Wackener Sumpfacker zu schleppen. Das fanden offenbar auch zahlreiche Metalheads nicht lustig und beschwerten sich. Gegen halb drei schreibt dann WackenIngo:
Liebe Metalheads,
gemäß unseren Ankündigungen schreiben uns jetzt ganz „Schlaue“, das in unserem Festival ABC – ja aber steht, das wir Campen am Auto garantieren und auch Grünflächen.
Grünflächen haben wir auch weiterhin, jedoch sind diese aufgrund von höherer Gewalt zur Zeit nicht befahrbar, so dass man zur Zeit direkt am Auto nicht campen kann.
Also zunächst werden offenbar diejenigen, die sich beschweren, als Dummköpfe, Nörgler oder Querulanten beleidigt, denn nichts anderes bedeuten wohl die Anführungszeichen bei den Schlauen. Höhere Gewalt - als ob es das erste Mal wäre, dass das Gelände absäuft! Heißt also: Wir haben zwar Grünflächen, aber nur unter Wasser, und am Auto campen geht auch nicht. Kurzum, es handelt sich um Mängel, um die man sich als Veranstalter kümmern sollte, wenn man ein Leistungsversprechen gegeben hat und die Fans für jeden Furz abkassiert. Man könnte ja als kleine Entschädigung beispielsweise die Duschen kostenfrei anbieten, damit sich die von der Schlepperei verschwitzten Metalheads wenigstens erfrischen können. Aber auf so einfache kleine Gesten kommt man im Geldspeicher Büro der Wacken-Veranstalter wohl nicht. Ein fetter Sturm, stunden- oder tagelanger Platzregen oder ähnliches sind bei anderen Festivals höhere Gewalt. In Wacken reicht dafür ein bißchen Regen über ein paar Tage verteilt - lächerlich!
Der max. Weg ist 800 m über die Grünflächen. Ein Shuttleverkehr kann es nicht geben, da die Flächen Feld an Feld liegen, sowie würde man dann noch mehr kaputt fahren. Wir müssen die Flächen erstmal schonen und freihalten für Rettungs- und Versorgungsfahrzeuge.
Ist ja hübsch, dass man wenigstens daran denkt, dass noch Rettungs- und Versorgungsfahrzeuge aufs Gelände müssen, schließlich könnte bei der diesjährigen Kombination aus dem üblichen Matschacker (”Wackener Wattenmeer”), gnadenloser Überfüllung und Unmengen Alkohol ja wieder der eine oder andere Metaller ins Gras beißen. Nur nützt das den ganzen Metalheads nichts, die in dem Glauben angereist sind, am Auto campen zu können und oftmals bis unters Dach bepackt sind.
Heute morgen gab es dann auf der Wacken-Homepage ein paar warme Worte vom W:O:A Team nach dem Schema “1000 Dank” an alle, welche die üblich chaotische Situation in Wacken ohne Murren ertragen hatten. Das ändert allerdings nichts daran, dass die Orga gewohnt chaotisch / überfordert und das Gelände genauso Scheisse ist wie all die Jahre zuvor. Apropos Scheisse, die Duschen und Klos sind teilweise nicht nutzbar, weil die Ver- und Entsorgungsfahrzeuge wohl trotz der Schlepperei der Metalheads doch nicht so einfach zu den Standorten der Container und Dixies kommen. Das ist angesichts der tonnenschweren Fahrzeuge, die in dem Schlamm ordentlich einsacken und dann nicht mehr wegkommen, nun wirklich kein Wunder.
Wenigstens hat man auf dem Festivalgelände großzügig Stroh und ähnliches Material verteilt, so dass man dort halbwegs normal gehen kann. Sollte es allerdings erneut regnen, dürfte auch das sehr bald im Schlamm verschwinden.
Was für ein Glück, dass es für mich das letzte Mal Wacken ist. Nächstes Jahr wird es dann heißen: “Nach Wacken? - Geh kacken!”
Die kriegen es einfach nicht anständig hin, obwohl sie Jahr für Jahr die Fans immer mehr von vorne bis hinten abzocken. Da hilft halt nur eine Abstimmung mit den Füßen, zum Beispiel zum MetalCamp oder zum SummerBreeze.